Was ist Mädchenbeschneidung?

Bei der Mädchenbeschneidung werden die weiblichen Genitalien beschnitten. Es gibt verschiedene Formen und Praktiken von Beschneidungen, und das Alter der Mädchen zum Zeitpunkt der Beschneidung ist ganz unterschiedlich.

Lesen Sie mehr dazu.

Die Tradition will es so. Ich aber nicht!

Warum ein Mädchen beschnitten wird, wird oft mit Tradition begründet. Aber auch Traditionen verändern sich. Helfen Sie mit, Mädchen vor der Beschneidung zu schützen.

Wir unterstützen Sie dabei.

Was sind die gesundheitlichen Folgen?

Viele beschnittene Mädchen und Frauen leiden an den gesundheitlichen und seelischen Folgen der Beschneidung.

Sie haben ein Recht auf Hilfe!

Wo werden Mädchenbeschneidungen gemacht?

In vielen Ländern werden Mädchen und Frauen immer noch beschnitten. Mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen auf der Welt sind betroffen. Jedes Jahr werden drei Millionen weitere Babies und kleine Mädchen beschnitten.

In welchen Ländern?

Häufige Fragen

Rund um Mädchenbeschneidung gibt es ganz viele Fragen und Unsicherheiten.

Hier finden Sie Antworten.

Wo bekomme ich Unterstützung?

Für viele beschnittene Frauen und Mädchen ist es schwierig, über ihre Fragen und Probleme zu sprechen. Wir helfen Ihnen und beraten Sie gratis und vertraulich.

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Ist die Mädchenbeschneidung verboten?

Mädchenbeschneidung ist in der Schweiz sowie auch in den meisten anderen Ländern verboten. Frauen und Mädchen haben das Recht auf Schutz und Hilfe.

Informieren Sie sich.

Was ist Mädchenbeschneidung?

Die verschiedenen Formen der Mädchenbeschneidung werden durch die Region und die Gemeinschaft, in welcher die Mädchen leben, bestimmt. Folgende vier Typen von Beschneidungen werden unterschieden:

  • Typ I (Inzision): Teilweise oder komplette Entfernung der Klitoris
  • Typ 2 (Exzision): Teilweise oder vollständige Entfernung der Klitoris und der kleinen Schamlippen
  • Typ 3 (Infibulation oder «pharaonische Beschneidung»): Wegschneiden der Klitoris und der kleinen Schamlippen. Die grossen Schamlippen werden bis auf eine kleine Öffnung zusammengenäht.
  • Typ 4: Alle anderen Praktiken, die die weiblichen Genitalien verletzen. Wie zum Beispiel das Einstechen oder Durchbohren der inneren und äusseren Genitale.

Das Alter der Mädchen bei der Beschneidung ist sehr unterschiedlich. Es gibt Gemeinschaften, welche die Mädchen in den ersten Monaten ihres Lebens beschneiden. Andere wiederum führen die Beschneidung im Alter von vier bis acht Jahren durch. Es gibt aber auch Gemeinschaften, die Mädchen im Übergang zur Pubertät oder auch erwachsene Frauen beschneiden. Bei erwachsenen Frauen kommt es beispielsweise auch vor, dass sie nach einer Geburt wieder zugenäht (Reinfibulation) werden. Falls Sie wissen möchten, in welchen Regionen der Welt Mädchenbeschneidung wie häufig praktiziert wird, finden Sie hier eine Übersichtskarte.

Wenn Sie Fragen zur Beschneidung haben oder Hilfe brauchen, kontaktieren Sie uns: Kostenlose Beratung und Information.

Was wird bei einer Mädchenbeschneidung gemacht? Erklärung der Frauenärztin Dr. Kuhn vom Inselspital Bern:

Die Tradition will es so. Ich aber nicht!

10 Gründe, warum Mädchenbeschneidung nicht mehr gemacht werden soll:

  1. Mädchenbeschneidung ist eine Menschenrechtsverletzung
  2. Jedes Kind hat ein Recht auf einen gesunden Körper
  3. In keiner Weltreligion gibt es einen schriftlichen Beleg, der die Mädchenbeschneidung verlangt
  4. Der Körper der Mädchen ist vollkommen, so wie er von Gott geschaffen wurde
  5. Mädchenbeschneidung ist in der Schweiz und in vielen anderen Ländern verboten
  6. Unbeschnittene Mädchen und Frauen haben weniger Schmerzen, sind gesünder und leben länger
  7. Mädchenbeschneidung kann unfruchtbar machen
  8. Unbeschnittene Frauen haben weniger Probleme bei Geburten
  9. Ob eine Frau ihrem Ehemann treu ist, hängt nicht von der Beschneidung ab
  10. In einer Gesellschaft zu leben, in der diese Tradition verurteilt wird, ist für Mädchen und Frauen sehr schwierig

Möchten Sie sich gegen diese Tradition wehren? Wir unterstützen Sie mit Beratung und Information.

Ein Imam und ein Pastor sagen: „Mädchenbeschneidung kommt nicht aus der Religion!“ Und zwei Frauen diskutieren zusammen: „Auch unbeschnittene Frauen können gute Ehefrauen sein!“

Was sind die gesundheitlichen Folgen?

Mädchenbeschneidung hat gefährliche Folgen für die Gesundheit von Mädchen und Frauen. Einige sterben sogar an den körperlichen Folgen. Die Folgen von Mädchenbeschneidung können zum Beispiel sein:

  • Angst, Stress, Trauma und Schock
  • Infektionen
  • Schmerzen währen der Menstruation und beim Urinieren
  • Unfähigkeit, Urin zurückzuhalten
  • Probleme mit Narben
  • Schmerzhafte und komplizierte Geburt für Mutter und Kind
  • Unfruchtbarkeit
  • Schmerzhafter Geschlechtsverkehr und geringere Lust

Nicht alle beschnittenen Mädchen und Frauen leben mit diesen Problemen. Ob und welche Probleme es gibt, hängt vom Typ der Beschneidung ab und davon, wie die Beschneidung durchgeführt wurde. Zudem geht jede Frau und jedes Mädchen anders mit schwierigen Erlebnissen um.

Mögliche seelische Konsequenzen

Es kann sein, dass Mädchen und Frauen auch seelische Probleme wegen der Beschneidung haben. Zum Beispiel können sie enttäuscht darüber sein, dass ihre Eltern sie nicht geschützt haben. Wenn beschnittene Mädchen in die Schweiz kommen, vergleichen sie sich mit den unbeschnittenen Mädchen und fragen sich, warum ihnen das angetan wurde. Bei manchen Mädchen und Frauen kann das Erlebte Angst auslösen oder es macht sie traurig.

Eine Beschneidung kann nicht rückgängig gemacht werden, aber die körperlichen und seelischen Probleme können behandelt werden. Jedes Mädchen und jede Frau hat ein Recht darauf.
Wenn Sie beschnitten wurden oder wenn Sie Angst vor einer drohenden Beschneidung haben, holen Sie sich Unterstützung.

Erklärungen der Frauenärztin Dr. Kuhn vom Inselspital Bern zu den Folgen der Mädchenbeschneidung:

Wo werden Mädchenbeschneidungen gemacht?

Von Mädchenbeschneidung betroffen sind vor allem Mädchen und Frauen in gewissen afrikanischen Ländern. In Ländern wie Somalia, Eritrea, Sudan, Ägypten, Guinea, Sierra Leone, Mali und Djibouti werden immer noch viele Mädchen und Frauen beschnitten. Jedoch gibt es auch Mädchenbeschneidungen in Asien, auf der arabischen Halbinsel und in kurdischen Gebieten. In einigen muslimischen Ländern wird Mädchenbeschneidung praktiziert. Allerdings längst nicht in allen, wie das Beispiel Saudi-Arabien zeigt. Zudem ist Mädchenbeschneidung in vielen Ländern rückläufig. So zeigen aktuelle Zahlen (2015/2016), dass die Anzahl der beschnittenen Mädchen immer kleiner wird.

Das heisst: Es werden tendenziell immer weniger Mädchen beschnitten.

Beschneidungsrate:

Land Ältere Generation Jüngere Generation
Eritrea 83% 78%
Sudan 87% 84%
Äthiopien 74% 62%
Ägypten 87% 61%
Somalia 98% 97%

Quelle: Integra

In den meisten afrikanischen Ländern und auch in der Schweiz ist Mädchenbeschneidung verboten. Informieren Sie sich über die rechtliche Situation.

Möchten Sie über Mädchenbeschneidung sprechen? Sind Sie selber von Beschneidung betroffen? Kontaktieren Sie uns für Beratung und Information.

Mehr Informationen zu den Ländern, die Mädchenbeschneidung praktizieren, finden Sie auch auf unserer Fachwebsite.

Wo bekomme ich Unterstützung?

Haben Sie Fragen zum Thema Frauengesundheit und Mädchenbeschneidung? Schreiben Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns an:

Nadja Bisang, Caritas Schweiz

Nadja Bisang
Caritas Schweiz

Denise Schwegler, Caritas Schweiz

Denise Schwegler
Caritas Schweiz

Kontaktieren Sie uns, um einen Termin zu vereinbaren. Die Beratungen sind gratis und auch für Männer offen. Wir beraten Sie gerne auch anonym und mit Übersetzung.

Notfallkontakte:

Ist die Mädchenbeschneidung verboten?

Wer Mädchenbeschneidung praktiziert, verletzt die Menschenrechte, insbesondere das Recht auf Schutz vor Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Die Staaten haben die Pflicht, Mädchen und Frauen vor Mädchenbeschneidung zu beschützen und ihnen Hilfe zu gewährleisten. In der Schweiz ist das Verbot gegen weibliche Genitalverstümmelung in Artikel 124 des Strafgesetzbuches festgehalten. Das Gesetz.

Bestraft werden nicht nur Beschneiderinnen und Beschneider, sondern auch die Eltern oder Verwandten, die ein Mädchen beschneiden lassen. Bestraft wird auch, wer die Beschneidung im Ausland durchgeführt oder ermöglicht hat. Wer gegen das Verbot verstösst, wird mit Gefängnis oder Geldstrafe bestraft. Das gilt für alle Formen der Beschneidung, das heisst auch Typ I (wird teilweise Sunna genannt). Die Eltern sind für den Schutz ihrer Mädchen verantwortlich. Falls sie diese Verantwortung nicht wahrnehmen, werden entsprechende Behörden wie die Kinderschutzbehörden eingeschaltet. Die Behörden in der Schweiz bieten den Betroffenen Beratung und Hilfe, insbesondere medizinische, psychologische, und juristische Hilfe.

Die Mädchenbeschneidung ist ein Asylgrund in der Schweiz, jedoch nur, wenn der Herkunftsstaat keinen Schutz vor Mädchenbeschneidung bieten kann.

Welche Verbote, Rechte und Gesetze in der Schweiz und international gelten und welche es in den Herkunftsländern gibt, können Sie auf unserer Fachwebsite bei «Recht und Gesetz» erfahren.

Erklärung der Bundesrätin Simonetta Sommaruga: „Weibliche Genitalbeschneidung ist in der Schweiz verboten.“

Ich habe grosse Schmerzen, vor allem wenn ich die Menstruation habe. Was kann ich tun?

Bei Schmerzen sollten Sie eine spezialisierte Gynäkologin treffen, um Ihre Situation zu besprechen. Je nach Beschneidungsform, gibt es eine Operation, die gemacht werden kann, um Frauen zu öffnen (Defibulation). Diese Operation wird von der Krankenkasse bezahlt. Beratung und Information

Ich bin beschnitten und schwanger. Was bedeutet dies für die Geburt meines Kindes?

In der Schweiz gibt es verschiedene Hebammen, Gynäkologinnen und Spitäler, die Erfahrung mit Geburten von beschnittenen Frauen haben. Sie müssen keine Angst haben. Sprechen Sie die Beschneidung so früh wie möglich an, damit dies die Gesundheitsfachpersonen wissen und berücksichtigen können. Beratung und Information

Ich weiss nicht, ob ich beschnitten bin und was dies bedeuten würde?

Es gibt viele Frauen, die nicht wissen, ob sie beschnitten sind oder nicht. Falls die Beschneidung im frühen Kindesalter stattgefunden hat, haben die Frauen keine bewussten Erinnerungen. Zudem ist Mädchenbeschneidung ein Tabuthema und Frauen können weder die Mutter noch andere Verwandte fragen. Falls Sie an dieser Frage interessiert sind, gehen Sie zu einer spezialisierten Gynäkologin. Beratung und Information

Ich bin beschnitten und habe schlechte Erfahrungen mit Fachpersonen gemacht.

Beschnittene Mädchen und Frauen haben ein Recht auf eine gute Gesundheitsversorgung. Das heisst, Fachpersonen müssen beschnittene Frauen professionell beraten und behandeln. Leider ist dies nicht immer der Fall. Bitte melden Sie sich, wenn Sie eine sensiblisierte Fachperson suchen oder uns von Ihren Erfahrungen erzählen möchten. Beratung und Information

Ich habe eine beschnittene Frau geheiratet. Was bedeutet dies?

Die Beschneidung kann körperliche und seelische Folgen für Ihre Frau haben. Auch kann es sein, dass ihr die Sexualität Schmerzen bereitet. In der Schweiz gibt es Fachstellen, um solche Fragen und Probleme zu besprechen. Diese Beratungen sind kostenlos. Beratung und Information

Ich möchte nicht, dass mein Mädchen beschnitten wird. Wo finde ich Hilfe?

Es ist wichtig, dass Sie sich als Mutter und Vater aktiv für den Schutz ihrer Töchter einsetzen. Wir unterstützen Sie dabei. In der Schweiz gibt es mittlerweile viele engagierte Frauen und Männer aus Ländern wie Somalia, Eritrea, Äthiopien und dem Sudan, die sich für die Prävention engagieren. Zusammen mit diesen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren können Gespräche mit Eltern organisiert werden. Falls Sie interessiert sind an einem Gespräch, nehmen Sie Kontakt mit Beraterinnen von Caritas Schweiz auf. Beratung und Information